Kategorie: Erlebnisberichte Nava Disa

Waldhütte in Nava Disa

Schon länger spielte ich mit dem Gedanken an einem buddistisch inspirierten Meditationsretreat teilzunehmen, aber wo und wie den Einstieg finden mit den zum Teil doch recht abenteurlich angehaucht esotherischen Angeboten mit fragwürdiger Substanz? Durch Zufall bin ich dann in einem Artikel in der FAZ Online auf Meister Han Shan und sein Retreat aufmerksam geworden.
 
Der angenehm unaufgeregte Eindruck der Person Han Shans mit seinem konsequentem Lebensweg, seinen Ansichten und Lehrangeboten die im Ur-Buddismus verwurzelt sind, sowie deren idealtypische Umsetzung im Retreat in Nordthailand bestätigten sich in der anschliessenden Internetrecherche in diversen seriösen Quellen so das der Entschluss gefasst war im Dezember 2009 ein drei wöchiges Retreat zu buchen.
 
Mit wenigen Emails war die Buchung perfekt und der Reiseplan inclusive persönlicher Abholung am Flughafen durch Han Shan organisiert. Dem letzten grossen Abenteuer der Neuzeit - der Reise zu sich selbst - stand also nichts mehr im Weg.
 
Das wunderschöne Gelände des Retreats, die Schönheit der Landschaft, die verschiedenen Unterkünftsmöglichkeiten, das traumhafte Essen, die Tagesausflüge - all das ist in den vielen anderen Erlebnisberichten bereits gewürdigt worden und dem ist nichts hinzuzufügen sondern nur zuzustimmen. Die Bilder und Berichte sprechen für sich.
 
Etwas detailiert möchte ich auf den inneren oder methaphyischen Aspekts des Retreats eingehen. Der im Retreat empfohlene Tagesablauf aus jeweils zwei gemeinschaftlichen Meditationen und Mahlzeiten ist als Gerüst ideal und lässt - nur anfangs beängstigend - viel Raum und Zeit sich dem zu stellen, was einen bis in den Norden Thailands getrieben hat. Sei es die Suche nach sich selbst oder die Selbstreflektion, die grossen und kleinen Fragestellungen des Lebens oder den Einstieg oder die Vertiefung der buddistischen Praxis.
 
Beeindruckend hierbei ist wie individuell Han Shan auf die Persönlichkeit der Teilnehmer und deren spezifische Bedürfnisse nach geistiger Inspiration eingeht. Dies reicht von seiner blossen Präsenz in den Meditationen, der Organisation des Tagesablaufs oder den sich ergebenden Gesprächen beim gemeinsamen Essen über individuelle Einzelgespräche und Literaturtips bis hin zu einer spirituellen Anregung und Führung bei den Fragestellungen auf die man sich hier Anregungen oder Antworten erhofft.
 
Besonders hervorheben möchte ich noch die Lehre der Vipassana Meditation in der ich hier als absoluter Laie unterwiesen wurde und von der ich hier nur die weltlichen Aspekte schildern möchte. Das Dogma aus all den guten Ratschlägen "doch im Hier und Jetzt zu leben" und "den Moment zu erleben" sowie das Wort BEWUSST hat für mich durch diese erstaunlich einfach zu erlernende Technik eine neue Dimension und Bedeutung gewonnen, die ich in meinem Leben nur ungern missen möchte - sei es in den viel zu kurzen Mediationssitzungen, im Flugzeug, im Verkehrsstau oder gar in Meetings oder am Schreibtisch. Sich seiner selbst Bewusst zu werden und zu sein ist auf jeden Fall ein grosser und Gewinn der mich hoffentlich dauerhaft begleitet.

Tobias