Kategorie: Erlebnisberichte Nava Disa

Simone und Han Shan

Die Eindrücke und Erlebnisse meines zweimonatigen Aufenthalts in Nava Disa haben Einiges in mir bewirkt. Ich lernte wirklich manche Dinge loszulassen und ein Stück die Vergangenheit hinter mir zu lassen. Natürlich bin ich noch in der Übungsphase, doch trotzdem konnte ich schon einigen unnötigen Ballast ablegen, neue Kräfte sammeln und mit neuem Lebensmut dem Abenteuer des Lebens entgegenblicken.


Einige persönliche Erfahrungen meiner Reise möchte ich hier schildern.

Nava Disa Gelände:
Als ich in Nava Disa ankam, war es schon Abend. Das ununterbrochene Zirpen der Grillen, Zikaden, Heuschrecken und die ab und zu vernehmenden lauten Schreie der Tokehs, eine thailändische Geckoart, füllten die Nacht mit einer heimeligen, beruhigenden Atmosphäre.

Bisher kannte ich alles nur von der Nava-Disa-Website. Aber die Wirklichkeit ist viel beeindruckender. Han Shan hat diesen Ort in ein wahres Paradies der Sinnes- und Gefühlseindrücke verwandelt.

Allein in der Essens- und Meditationssala gab es so viel zu sehen, dass meine Augen gar nicht alles auf einmal wahrnehmen konnten. Die Buddhas, die Nagas, die Wasserspiele, die Wasserfälle, und vieles mehr, einfach nur WOW.

Das Nava Disa Gelände eröffnete sich mir als eine Landschaft mit etlichen Seen, Wasserspielen und vielen Sitzplätzen, die meist von Bäumen beschattet wurden. Auch ein großer Buddha und einige Tempel, die unter anderem die Kuan Yin und Han Shans Buddha vom See beherbergten, waren in die Natur perfekt eingebettet. Ich fühlte mich sofort wohl und eigentlich auch ein bisschen wie nach Hause gekommen.

Besonders der erste See mit den Nacht-Lotossen vom Nong Han See, übte eine magische Anziehungskraft auf mich aus. In der Mitte dieses Sees befindet sich eine Insel, die durch eine Hängebrücke zu erreichen ist. Darauf sind zwei große Felsen aus Sandstein positioniert, die symbolisch dafür stehen, dass man die Kraft oder Stärke hat bzw. bekommen soll, selbst wie ein Fels in der Brandung zu sein.


Nava Disa Atmosphäre:
Alles im Allem strahlt Nava Disa eine unglaubliche und unbeschreibliche Ruhe und Stille aus, die einem früher oder später ergreift und in einem eindringt. Ein Ort, der eine unterstützende Wirkung auf die innere Entwicklung jedes Einzelnen hat.

Ich hatte die Möglichkeit einmal wirklich ganz zu mir zu kommen, mich wirklich mit mir selbst zu beschäftigen, mich ganz zurückzuziehen. Denn man ist zum ersten Mal quasi aus der äußeren Welt ausgeklinkt. Keine ständigen Berieselungen der Medien, kein Lärm und Alltagsstress, sondern nur die Natur und du selbst.

In Nava Disa wird die Privatsphäre des Einzelnen voll akzeptiert. Jeder bekommt Respekt und Toleranz entgegengebracht und wird angenommen, so wie er eben ist. Jeder darf sein, kann ganz seinen Bedürfnissen nachgehen. Keiner muss sich verstellen und eine Maske tragen, um den äußeren Schein zu wahren. Die Statussymbole von draußen, wie Stellung, Beruf, Besitz und Gehalt, haben keine Wichtigkeit mehr. Alle stehen auf der gleichen Stufe, niemand ist besser oder wichtiger als der andere, egal ob arm oder reich.


Master Han Shan:
Master Han Shan steht jederzeit für Fragen und Gespräche zur Verfügung. Doch er drängt sich nie auf, sondern hält sich dezent im Hintergrund. Er wartet stets bis deine eigenen Energien dich zu ihm führen und du nach einem Gespräch verlangst.

Ein typischer Lehrmeister ist er nicht, denn er stellt sich nie über dich und meint mit seinem Wissen beeindrucken zu müssen. Ausfragen, Zurechtweisen und Belehren, was richtig oder falsch ist, ist nicht seine Art. Bei ihm ist sowieso nichts richtig oder falsch, sondern es gibt immer verschiedene Wege Dinge zu erreichen und jeder muss seinen eigenen Weg finden.

Vor allem hat er sich sein Wissen nicht theoretisch aus Büchern angeeignet, sondern kann von seinen persönlichen Erfahrungen berichten. Er gaukelt einem auch nicht vor, dass der Weg zu sich selbst bzw. zur Erkenntnis, leicht ist. Es ist sehr schwer und nichts fliegt einem zu, sondern erfordert sehr viel Arbeit an sich selbst, das macht er einem auch immer wieder klar.

Es gibt immer Höhen und Tiefen und man kommt immer wieder zu Punkten, wo man kurz vor dem Aufgeben ist oder an denen man das Gefühl hat einfach stehen zu bleiben und nicht weiterzukommen, manchmal vielleicht sogar wieder kleine Entwicklungschritte zurück zu machen. Das erfordert sehr viel Selbstdisziplin und innere Kraft, um dann nicht der Resignation nachzugeben. Auch das weiß er aus eigener Erfahrung. Er beschönigt nichts, sondern ist von Anfang an ehrlich.

Mir gefiel besonders, dass Han Shans Ratschläge logisch nachvollziehbar und praktisch umsetzbar waren. Wenn man sich nämlich wirklich auf das konzentriert, was man gerade im Moment tut und nicht mit den Gedanken schon wieder woanders ist, in Zukunft oder Vergangenheit, oder meint mehrere Dinge gleichzeitig machen zu wollen, dann klappt auch alles viel besser.

Und das ist nicht irgendeine Theorie, es funktioniert und ist spürbar, wenn man es wirklich versucht. Konzentriert man sich z.B. beim Laufen wirklich auf seine Schritte, oder auch nur auf den Weg, dann stolpert man auch nicht. Diese Erfahrungen machen einem greifbar klar, dass es wirklich zu schaffen ist, dass es nicht unmöglich ist, und das macht doch immer wieder Hoffnung.

Zu Beginn meines Aufenthalts war Han Shan für mich der Fels in der Brandung, der mir Halt und viele Tipps gab, wie ich mich in der Strömung, also in der äußeren Welt, im Leben, im Umgang mit anderen, am Besten verhalte, um nicht mitgerissen zu werden. Ich hatte das Gefühl eine Art Lebensanleitung an die Hand zu bekommen, wie ich schwierige Situationen im Umgang mit anderen leichter meistern kann.

Han Shan hat mir geholfen nun ein bisschen selbst Fels in der Brandung zu sein. Ich habe viel gelernt. Vor allem nicht immer wieder der Vergangenheit nachzutrauern. Also das Vergangene wirklich hinter mir zu lassen, d.h. Schönes nicht festzuhalten und Schlimmes als vergangen anzusehen. Und auch nicht in die Zukunft zu planen oder zu träumen. Sondern einfach mehr im Hier und Jetzt zu leben, mehr auf den nächsten Moment zu schauen und sich über den Augenblick zu freuen. Das macht das Leben wesentlich leichter, einfach heller, glücklicher und gelassener, hab ich festgestellt.

Ich gehe nun auch mit einer anderen Sichtweise durch die Welt. Die Bemerkungen der Anderen greifen mich nicht mehr so an. Ich kann sie gelassener hinnehmen. Denn ich habe gelernt, dass die negativen Gedanken und Gefühle, die bei Anderen hochkommen, deren Probleme sind. Ich muss diese negativen Energien nicht annehmen, indem ich mich über die Person ärgere und mich dadurch selbst nicht gut fühle.

Ich habe, dank Han Shan, die Steine der Anderen als deren Steine erkannt und bin in der Lage sie auf dem Weg liegenzulassen und den Anderen selbst tragen zu lassen. Denn jeder muss seinen Weg selbst gehen, mit allem was dazu gehört. Ich kann den Anderen stärken und unterstützen, dass er in der Lage ist seine Lasten zu tragen, doch ich kann sie nicht für ihn tragen. Der Rucksack wird dann irgendwann zu schwer für mich.

Han Shan machte mir klar, dass jeder der eine Veränderung wünscht, bei sich selbst anfangen muss. Wir können die Anderen nicht verändern. Sie sind wie sie sind und ändern sich auch dann nicht, wenn wir ihnen Lasten abnehmen. Und auch die Welt ist für den Einzelnen nicht wirklich veränderbar. Sehr wohl aber können wir uns selbst verändern, das liegt in unserer Macht, unser Leben liegt in unserer Hand. Wir müssen es nur anpacken, indem wir sehr viel an uns arbeiten, ehrlich zu uns selbst sind, versuchen auf die innere Stimme zu hören, versuchen in allen Lebenslagen achtsamer zu sein, und versuchen den Weg der Veränderung zu gehen, ganz gleich was Andere sagen.


Chanting und Meditation:
Doch nicht nur allein die Gespräche haben in mir zu einer Veränderung geführt. Das tägliche Chanting und die Vipassana-Meditaion brachten bei mir persönlich sehr viel ins Rollen bzw. ins Fließen.

Das Chanting, man kann es vielleicht mit den gregorianische Gesängen vergleichen, eine Art Choral, eine Art gesungenes Gebet in der Pali-Sprache, dringt in seiner melodischen Tonfolge ganz in einem ein. Die achteckige Bauweise der Meditationssala ergibt eine besondere Akustik, vergleichbar mit der Kirchenakustik, die die Klänge verstärkt und eine Art Hall erzeugt. Die Gesänge durchfließen den ganzen Körper und ich hatte das Gefühl, als ob die Töne in mir schwingen. Vielleicht kamen dadurch in mir Energien ins Fließen?

Auch die Meditation half mir sehr weiter. Ich kann nicht sagen was in mir passiert und wie es passiert ist. Aber ich weiß definitiv DAS etwas passiert ist, dass es mir besser geht und dass die Meditation und auch das Chanting zu Veränderungen in mir geführt haben. Vielleicht kann man sagen, dass ich ein bisschen zu mir und meiner Kraft gefunden habe bzw. dem zumindest näher gekommen bin, oder dass sich tiefe Blockaden in mir gelöst haben? Auf jeden Fall weiß ich mit Sicherheit, dass ich mich wesentlich wohler fühle, auf irgendeine Weise leichter.


Toh und Lek:
Es gibt noch zwei Menschen, ohne die Nava Disa, denke ich, nicht in dem Maße bestehen könnte, wie es jetzt jedem zugänglich ist. Sie sind zwei Köchinnen der internationalen Spitzengastronomie, namens Toh und Lek. Doch sie sind nicht nur um das leibliche Wohl der Gäste besorgt, sondern sind eigentlich Allroundtalente, die sich um Haus und Hof kümmern und helfen wo sie können. Sie arbeiten stets bescheiden im Hintergrund, ohne für irgend etwas Dank zu erwarten. Doch sie haben eine dermaßen liebevolle, herzliche, umsorgende Art, dass man sie einfach ins Herz schließen muss. Toh und Lek geben Nava Disa eine Seele und sind Han Shans helfende Hände.


Land und Leute:
Doch neben der Selbstfindung und Nava Disa als Ort, lernt man auch noch Teile der näheren Umgebung kennen. Denn Han Shan unternimmt immer wieder Ausflüge zu den kleineren und größeren Tempeln der Umgebung. Besonders entlang des Mekongflusses liegen sehr viele, auch bekannte Tempel, z.B. der Wat Phra That Phanom, in dessen gewaltigen, beeindruckenden Chedi das Brustbein von Buddha aufbewahrt wird.

Und der Mekongfluss selbst hat eine sehr starke Ausstrahlung, eine sehr starke Energie. Mich zumindest zog er immer wieder in seinen Bann, egal wie oft ich an seinen Ufern stand. Ich hatte das Gefühl, als ob der Frieden und die Ruhe, die von ihm ausging, in mich eindrang.

Auch die andere Lebensweise der Menschen in Thailand, kann man während den Ausflügen sehr wohl wahrnehmen. Die Menschen sind allgemein viel ruhiger, gelassener, nicht immer im Rennen, rücksichtsvoller, achtsamer und auch hilfsbereiter. Sie denken nicht so egoistisch und sind nicht so in Regeln eingepfercht, wie wir Deutschen.

Das gefiel mir sehr gut. Vor allem dieses na und-Denken vermisse ich in Deutschland immer etwas, denn dort wird sich ziemlich schnell über andere Menschen oder andere Dinge aufgeregt. Doch in Thailand macht eben jeder einfach was er für richtig hält, ohne sich an Anderen zu stören und ohne dass Andere sich an ihm stören. Es wird eher noch Rücksicht auf den Anderen genommen.

Die Individualität ist einfach okay, wird komplett akzeptiert und ins Alltagsleben integriert. Sehr angenehm, denn diese gestresste Anspannung fällt dadurch weg. Ich möchte fast sagen, dass die Luft freier und klarer ist und man besser atmen kann. Und diese Luft durchströmt das ganze Land.


Schlusswort:
In Nava Disa wurde mir vieles erst bewusst. Auch was mir wirklich wichtig ist in meinem Leben. Zu meinem eigenen Erstaunen waren das aber ganz andere, und vor allem weniger, Dinge, wie ich dachte.

Nava Disa und Han Shan haben mich meinen EIGENEN Weg finden lassen.

Und der Weg geht immer weiter, denn die Zeit läuft nur in eine Richtung. Wir können sie nicht stoppen. Alles ist immer im Fluss, wir können nichts festhalten und können nicht mehr zurück. Was gewesen ist, ist nicht mehr rückgängig zu machen und nicht mehr veränderbar. Doch wie mein weiterer Weg aussieht, das kann ich allein bestimmen und dabei versuchen in jedem Moment, im Hier und Jetzt, immer gute Energie auszustrahlen

Simone