Kategorie: Erlebnisberichte Nava Disa

Sala Nava Disa

Zugegeben...
N
ava Disa liegt nicht gleich um die Ecke. Von Bangkok nehme ich die PB-Air und fliege mit dem neuen Embraer in einer Stunde nach Sakon Nakon nahe dem Mekong Fluss und Laos im Nordosten Thailands. Thailand ist ein gutes Land, ganz im Gegensatz zu dem schlechten Image, das der Sex-Tourismus ihm manchmal gibt. Der Koenig wird hier wie der Vater der Nation hoch verehrt und ist der oberste Hüter des Buddhismus.

In zwölf Stunden fliege ich von Zürich in die Zukunft. In Thailand schreibt man das Jahr 2548 nach Buddha. Ich spüre bei der Begrüßung, dass mich hier viel Wissen im Sinne von Weisheit erwartet. Han Shan, früher ein erfolgreicher Unternehmer, und sein Mitarbeiter Jörg holen mich mit dem Isuzu-Geländewagen am Flughafen ab. Nach 20 Minuten Fahrt durch die Nacht stehen wir am Eingang dieses Dschungelparadieses.

Auf 110000 Quadratmetern wildem Gelände hat der zum buddhistischen Mönch Gewandelte den Nava Disa Meditationsgarten geschaffen. Die 800 Meter lange Zufahrt in roter Erde führt an Weihern und Wasserkreisläufen vorbei zum Kern der Anlage. Dieser Kraftort ist durch seine Vision und seine persönliche handwerkliche Mitarbeit entstanden.

Mitten im Buschwald steht die zentrale Grotte mit der 2 Meter hohen Buddhastatue. Die sonore Singstimme von Han Shan hallt wohltuend in dem Gewölbe - morgens in der Frühe und zum Einnachten meditieren wir hier, schärfen wir unseren Verstand, um effektiver zu werden und um unser persönliches Potential zu vergrößern. Persönliche Gespräche von Mensch zu Mensch geben mir wichtige Impulse. Mehr und mehr werde ich eins mit mir und mit der umliegenden Natur.

Ich lerne wieder zu hören: das Konzert der vielen Vogelarten, das Springen der Fische. Ich lerne Zuzuschauen wie die Sonne auf- und untergeht, sehe jeden Tag eine neue Blume, die nur für mich blüht, wie mir scheint. Eine urtümliche, heile Welt - da wächst deine Kraft über dich hinaus. Die buddhistische Lehre wird hier in der einfachen, naturnahen Art vermittelt, in der Buddha sie vor 2548 Jahren begründete. Hier werden keine Schnörkel, keine weltfremden Träumereien vermittelt. Stattdessen erhält man eine handfeste, praktische Philosophie die für Manager direkt in ihre Lebens- und Unternehmenspläne umsetzbar ist.

Dem Begründer und Meister von Nava Disa muss man Respekt zollen. Er ist ein Vorbild an Disziplin und Einfachheit. So lebt er im Busch auf einer Plattform mit einem Grasdach ohne Wände, so wie wir als Buben unsere Waldhütten bauten. Vergleiche mit unserem Niklaus von der Flüh drängen sich auf. Im neuen komfortablen Bungalow habe ich europäische Normen, und werde vegetarisch bewirtet, wie einst Englands König in den Kolonien. Die wunderbaren Früchte, Kokosnuss, Ananas, Bananen, Mandarinen, Mango, Papaya und einige mehr, die ich nicht einmal kenne, gibt es im Überfluss.

In einem Tagesausflug führt mich der Meister persönlich zum Tempel That Phanom, um zu sehen, welch prunkvolle Gedenk- und Pilgerstätten die Menschen ihrem Buddha aufgebaut haben. Hier am Mekong Fluss mit Blick nach Laos atmet man noch mit menschlichem Maß.

Hätte es Nava Disa damals schon gegeben, als ich noch aktiver Unternehmer war, ich wäre einmal im Jahr zehn Tage hingegangen, um meine Persönlichkeit zu stärken, besser zu führen und gesund zu bleiben. Heute am 27. Dezember bei 30 Grad und leichtem Wind denke ich nicht an die eisigen Probleme in Europa. Aber ich weiß, dass mich Europa von nun an weniger aufs "Glatteis" führen wird - denn ich habe von dem Wissen der 500 Jahre Vorsprung ein wenig Weisheit eingepackt.

Raymond