Das Magazien: Neue Woche - 12.2008
Viele Menschen haben einen Traum: sich vom Tellerwäscher zum Millionär hochzuarbeiten. Hermann Ricker (57) aus Offenbach ist den umgekehrten Weg gegangen. Der Multimillionär entschloss sich, Bettelmönch zu werden!
Die „Karriere" als Mönch Ophaso begann mit einem Autounfall 1995. „Eines Nachts stieß, ich mit meinem Jaguar im Norden Malaysias mit einem Laster zusammen." Der Wagen flog durch die Luft, um auf dein Dach liegen zu bleiben. Ricker überlebte - nahezu unverletzt.
Aber der Aufprall hatte seine Seele erschüttert. „Etwas in mir kam nicht mit der Vorstellung klar, weiterzuleben wie bisher." Also zog er sich in sein Haus in Singapur zurück. „Ohne Hausmädchen und Telefonanrufe."
Für den Ingenieur, der mit 23 Jahren nach Asien zog, ein ungeheuerlicher Vorgang. 1000 Angstellte und ein Firmennetz in aller Welt hatten ihn zum Getriebenen gemacht - mit Abstechern in sein Haus in Honkong, sein Penthouse in Singapur oder auf seine Yacht. Und nun saß er da: Hörte das Piepen des Anrufbeantworters und sonst nur Stille.
Ricker begann, sich Fragen zu stellen wie diese: Warum häuft der Mensch ein Leben lang Besitztümer an, wenn er am Ende nichts mitnehmen kann?
Nach drei Tagen stand sein Entschluss: Er übertrug den Besitz seinen Mitarbeitern - um auf einer Insel an Thailands Mekong-Strom als Mönch zu leben. „Ich hatte nichts als eine Matte und einen Gaskocher, meditierte bis zu 15 Stunden und fühlte mich plötzlich ganz leicht." Nur einmal am Tag ruderte er in die nächste Stadt, wo er den Bettelgang der Mönche vollzog.
In der Umgebung bricht sich Bewunderung für das Leben des einsamen Mannes Bahn, Spenden fließen. „Bald schon konnte ich Bedürftige mitversogen."
Es war auch eine Spende, die sein drittes Leben ermöglichte: Im Jahr 2000 entstand eine verträumte Anlage mit Meditationsplätzen, Seen und Bungalows (www.navadisa.de).
Hier bringt er nun als „Master Han Shan" Europäern bei, was er gelernt hat: Die Dinge so zu sehen, wie sie sind. „Denn wer die Realität begreift, lebt glücklicher, weil er nicht mehr festhalten muss, was er ohnehin nicht bewahren kann.
